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Handreichungen zum Nachsinnen

Von Warengruppencodes und Bildern

Posted on | August 16, 2010 | No Comments

Der Bundesdeutsche Datenschützer für das WWW durchlebt in diesem Sommer eine erstaunliche Metamorphose.

Waren es bis dato überwiegend Menschen – welche in den Augen ihrer Umwelt das eine Leben sehr virtuell verbracht haben. So kommt der Datenschutz im WWW diesen Sommer in der Mitte der Gesellschaft – in den Etagen der Bausparer und Häuslebauer – an.

Google hat geschafft, was viele Datenschützer seit Jahren nicht zu wünschen wagten.

Seit langem war das Thema nicht mehr in dieser Breite in der Gesellschaft angekommen. Leider Fehlt es bis weilen noch an Tiefe in der Berichterstattung. Weil in diesem Land jeder Google ermahnt, aber mit seine PAYBACK Karte mehr Persönlichkeit und privates in die Welt posaunt, als das ablichten seines Wohnhauses erahnen lassen könnte!

Solange die Medien in diesem Kontext nicht aufgreifen, dass seit nunmehr 10 Jahren persönlichste Daten nicht nur abgespeichert, sondern im Rahmen eines „Kundenbindungsprogramms“ systematisch erfasst und ausgewertet werden, ist diese Debatte zu einseitig!

Bei einem Ausflug in Street View wird man ein Auto und das Haus sehen können. Was ist das gegen die Flut von Daten, die bei jedem Einkauf mit einer kleinen Karte erhoben wird?

Es treten an, Kundennummer, Datum, Filiale, Umsatz, Warengruppencodes sowie die eingekauften Produkte. Gegen ein Bild.

Netzneutralität Monopole und Moral

Posted on | August 13, 2010 | No Comments

In jüngster Zeit häufen sich die Versuche großer Technologieträger (Google, Apple, Yahoo, Verizon & Co), das Netz unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Die Telekoms dieser Welt suchen seit langem nach zusätzlichen Einnahmequellen. Sie argumentieren zu recht, dass der Ausbau der Infrastruktur nur durch zusätzliche Einnahmequellen finanziert werden könne.

Bisher ist es so, dass alle Inhalte gleich, also neutral, behandelt werden. Inhalte von YouTube werden genauso schnell (oder langsam) zugestellt wie von kleineren Anbietern wie etwa MyVideo. Wenn sich YouTube eine schnellere Zustellung erkauft, dann haben alle anderen und natürlich die Startups einen unüberwindbaren Nachteil.

Genau diese Neutralität gegenüber den Inhalten hat aber die Innovationskraft und Konsumentenfreundlichkeit des Internet bisher ausgemacht. Es zahlen die Konsumenten die gesamten Kosten für das Internet über Ihre Zugangsgebühren – mehr für schnellere Anschlüsse und weniger für langsamere.

Eine weitere absolut negative Begleiterscheinung wäre, dass die Unternehmen an der gesamten Auslieferkette in die übertragenen Inhalte hineinschauen müssten, um eben die bezahlten Lieferungen priorisieren zu können. Das wird DPI – Deep Packet Inspection – genannt. Derzeit werden an allen Netzknoten, die Datenpakete ohne Ansehung des Inhaltes weiter geleitet.

Interesse an einer derartigen Umformung des Netzes haben natürlich auch die Lieferanten von Netzwerkkomponenten. Denn die Priorisierung kann nur erfolgreich funktionieren, wenn die DPI an der gesamten Kette erfolgt, bis hin zum so genannten CPE – Consumer Premise Equipment. Der Vision, die George Orwell in seinem Buch 1984 niedergeschrieben hat, wäre damit Tür und Tor geöffnet – Big Brother is watching you. Und dass es solche Tendenzen gibt, lässt sich am Beispiel von Saudi Arabien, China, Iran, Indien und vielen anderen Ländern jetzt schon beobachten, wenn sie die Inhalte von Mails an BlackBerrys lesen können wollen, oder die Inhalte von verfügbaren Websites staatlicher Kontrolle unterwerfen.

Der Anspruch der Telekoms, das die notwendigen zukünftigen Investitionen nicht allein durch sie geschultert werden können, ist berechtigt. Es kann aber nicht sein, dass dies auf Kosten der Netzneutralität erfolgt. Daran kann und sollte die breite Mehrheit der Telekoms kein Interesse haben. Immerhin kommen viele von Ihnen aus der Ecke der Startups. Der Fokus sollte also auch in diese Debatte ein Stück mehr moralischer Natur sein.
(Fr. 13. Aug, 2010)

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